Island: Hatari – Hatrið mun sigra

Nach vielen Jahren gefälligen Pops im isländischen Vorentscheid kommt dieses Jahr etwas anderes aus Island. Ein Song auf isländisch von Hatari, der Hatrið mun sigra heißt.

Island: Hatari – Hatrið mun sigra
M/T: Einar Hrafn Stefánsson, Klemens Nikulásson Hannigan, Matthías Tryggvi Haraldsson

Hatari ist laut Wikipedia isländisch für “Hasser”. Der Song heißt übersetzt “Der Hass wird siegen”. Wenn man Wikipedia glauben darf, wurde die Band 2015 gegründet und wird von den Bandmitgliedern als “antikapitalistisch” bezeichnet. Auch mal eine interessante Schublade. Es gab drei Singles, und zur Veröffentlichung der dritten kündigten sie die Auflösung von Hatari an, da sie ihr Ziel, den Kapitalismus zu stürzen, nicht erreicht hätten.

Also quasi so wie die Ärzte, die sich selbst als “fette, geldgeile Säcke” bezeichnet haben und damals auflösten. Aber Das für den 28. Dezember 2018 geplante Ende wurde nicht eingehalten, stattdessen sind sie jetzt im Vorentscheid für den ESC gewählt wurden.

Eurovision.tv kündit sie an als “Hatari is a political, multimedia project that aims to take the lid off the relentless, unfolding scam that is everyday life.” Die Band erklärte in Interviews, die Teilnahme für einen Protest gegen die israelische Politik nutzen zu wollen. Nun denn. Sollen sie. Ich konnte nicht herausfinden, ob das eine Spaß-Provokation ist, oder ob es einfach Typen mit irgendeinem merkwürdigen Komplex sind. Ist ja auch eine kleine Insel, von der sie kommen. Da muss man sich eben mit irgendwas ins Gespräch bringen. Ich denke, wir werden hier auch ein wenig länger drüber sprechen.

Christoph

Ich hatte mir Island bis zu diesem Moment aufgehoben. Auf Twitter, in unserem Gespräch mit Ewan und bei vielen anderen Leuten aus meinem ESC Umfeld brandete eine Begeisterung für Island, wie ich sie schon lange nicht mehr hatte. Ich habe das Gefühl, dass sich ein gewisser Hype für diese Band und diesen Beitrag aufbaut und ich muss sagen:

Zu Recht

Was für ein mutiger Beitrag aus Island. Einfach mal mitten in die Fresse.

Punkt 1: Isländisch funktioniert super geil beim ESC. Endlich macht das mal jemand. Bisher war es ja so, dass isländisch in den Vorrunden pflicht war aber es im Finale zu englisch geändert werden darf. Nein, Isländisch funktioniert super. Es ist mir egal, was er da singt, ich verstehe es auch so. Da ist jemand angepisst und jeder Ton transportiert das. So will ich einen Beitrag, der einem internationalen Publikum gefallen soll.

Punkt 2: Super stimme, super arrangiert und super performed, im Video wie live beim isländischen Finale.

Dieser Beitrag ist Provokation pur, und damit werden wir leben müssen. Egal zu welchen Themen sie befragt werden, werden sie provozieren. Das wird der Beitrag, bei den alle prüden, ewig gestrigen ESC Granden einfach nur kotzen werden.

Komme ich mit der Message klar, ganz sicher nicht. Wurde es mal Zeit für so einen Beitrag, ganz sicher. Kann ich mir vorstellen, dass im Halbfinale das Playback läuft und Hatari nichts machen … ganz sicher. Eine Wundertüte.

Vielleicht

Daniela

Vorweg: Ich habe erst Song & Video bewertet, und mich dann erst mit der Band beschäftigt. Erneut ein produziertes Video. Der Beat gefällt mir die ersten 15 Sekunden noch ganz gut. Dann brüllt uns eine männliche Stimme durch einen Verzerrer an. Der Refrain versöhnt wieder mit einer putzigen, fast sirenenhaften Melodie. Vorbilder sind möglicherweise Rammstein und Kraftwerk, irgendwie Industrialsound, aber von der billigen Sorte. Hier baut wohl jemand auf den Lordi-Effekt, um neue Zuschauergruppen zum ESC zu holen. Find ich ja grundsätzlich gut.

Aber gerade im letzten Teil hätte der Song auch problemlos von Dieter Bohlen produziert worden sein können, so gefällig ist das Ding auf seine Art. Das Musikvideo setzt auf eine Kombi aus billiger Provokation, Walking Death Zombies und Detlev “D” Soosts Tanzschule.

Man sieht Eis, Schnee, Blutmond, MadMax-Atmo, verlassene Industrieanlagen, ein wenig BDSM-Klamotte, anstrengende Kamerafahrten und habe ich irgendwo das deutsche Wort “Aufstehen” gehört? Ich habe ja wie gesagt extra erst danach die Biografie der Band etc. bearbeitet, aber spätestens bei “Der Hass wird siegen” denke ich mir: Passt ja super zum ESC.

Was für ein Käse. Erinnert mich an die Leute, die sich ins EU-Parlament wählen lassen, um von innen die EU zu stürzen. Irgendwie ist es ja auch putzig, eine kleine billige Provokation von ein paar Bubis, denen es wohl einfach zu gut geht auf ihrer Insel irgendwo im Nirgendwo. Ein wenig von Rammstein geklaut, ein wenig frühe Depeche Mode.

Ich habe mal eine interessante Doku über die Böhsen Onkelz gesehen, da sagte ein Bandmitglied sinnentnehmend “Wir mussten irgendwas machen, um aufzufallen, da haben wir uns für dieses böse klingende Gegröhle entschieden”. Kommt mir hier auch so vor. Provoziert mich halt nicht, alles schon mal gesehen, meistens besser. Ähnlich wie das aktuelle Rammstein-Video, das glänzt ja auch vor allem dadurch, dass gefälligst alle eine Meinung haben sollen. Dazu will die Band sich mit Netanjahu zu einem Ringkampf treffen.

*gähn*

Findet aber sicher sein Publikum. Ich habe in meiner Filterbubble eine Menge Leute, die das richtig toll finden, auch der hochgeschätzte Bloggerkollege von “Aufrecht gehn”. Allerdings immer mit diesem lustigen Zusatz “weil das bestimmt viele viele Hater bekommen wird, ist es so toll”. *seufz*. Holt mich in der Musikvideovariante einfach nicht ab. Tut mir ja leid für Lukas, den ich bei der Subscribe kennengelernt habe und der sehr gespannt darauf ist, wie wir diesen Beitrag bewerten werden. Ich fasse für mich zusammen: Langweilig, kann weg.
Aber mein Fazit lautet: Kommt auf jeden Fall ins

Finale

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.